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LOER, THOMAS (2023): Gemälde. In: ANDREAS FRANZMANN; MARIANNE RYCHNER; CLAUDIA SCHEID & JOHANNES TWARDELLA (Hrsg.) Objektive Hermeneutik. Handbuch zur Methodik in ihren Anwendungsfeldern. (UTB). Opladen, Toronto: Barbara Budrich, S. 302–334. URL: https://www.utb.de/doi/ ... 8/9783838559445-254-405. DOI: https://dx.doi.org/10.36198/9783838559445 
Added by: Thomas Loer (11/16/22, 12:04 AM)   Last edited by: Thomas Loer (11/19/22, 12:01 PM)
Resource type: Book Article
Languages: Deutsch
DOI: 10.36198/9783838559445
ID no. (ISBN etc.): 9783825259440
BibTeX citation key: Loer2023
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Categories: General
Keywords: Analyse von Kunstwerken, Ästhetik, Ästhetische Erfahrung, Ästhetische Wahrnehmung, Ästhetisches Urteilen, Datenauswertung, Datentyp: Gemälde-Zeichnungen-Skulpturen, Datentyp: Kunstwerk, Erfahrung, Farbwahrnehmung, Forschungsmethode, Hopper [Edward], Kultursoziologie, Kunst, Kunstanalyse, Künstler, Künstlerische Produktion, künstlerisches Handeln, Kunstsoziologie, methodisches Verstehen, Night Hawks, Nighthawks, Reziprozität
Creators: Franzmann, Loer, Rychner, Scheid, Twardella
Publisher: Barbara Budrich (Opladen, Toronto)
Collection: Objektive Hermeneutik. Handbuch zur Methodik in ihren Anwendungsfeldern
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Abstract
Gemälde stellen als Kunstwerke einen besonderen Datentypus dar. Grundsätzlich unterscheiden wir bei Protokollen die protokollierende von der protokollierten Praxis. Im Kunstwerk allerdings ist die protokollierte Praxis der Protokollierung nicht vorgängig, sondern wird im Prozess der Protokollierung erst hervorgebracht, was bedeutet, dass es sich um eine fiktive Praxis handelt. Die protokollierende Praxis bringt also eine fiktive Welt hervor und lässt sie als protokollierte Wirklichkeit erscheinen. Damit ist zugleich die Autonomie des Kunstwerks gesetzt, denn wenn im Akt der Protokollierung, also im Akt der Werkgestaltung, eine fiktive Welt entsteht, so ist sie von einer konkreten und spezifischen vorgängigen Welt strukturell unabhängig. Diese Unabhängigkeit hat sich im Zuge der Autonomisierung der Kunst auch historisch zunehmend ausgefaltet, indem etwa die Malerei sich zunehmend von der Abbildung der realen Welt entfernte. Zugleich impliziert die Unabhängigkeit nicht Beliebigkeit, da jede fiktive Welt aus einer Imagination hervorgeht, die ihrerseits eines Vorwurfs bedarf, der in ihr gestaltet wird. Bei Gemälden und anderen Kunstwerken „haben wir es […] mit künstlerisch ‚gemachten‘, methodisch kontrolliert und bewußt hergestellten Texten bzw. Gestaltungen zu tun und nicht mit Protokollen bzw. Aufzeichnungen der Alltagspraxis. Künstlerisch hergestellte Texte protokollieren nicht eine alltagspraktische, reale Wirklichkeit, sondern zum einen den künstlerischen Produktionsprozeß selbst und zum anderen eine fiktionale Wirklichkeit [gemeint ist hier offensichtlich: fiktive Wirklichkeit; TL], die nicht außerhalb, sondern nur innerhalb des ‚gemachten‘ Textes existiert, als dessen immanente durch ihn selbst erst erzeugte Realität.“ (Oevermann 1997 a, S. 327) Warum sollten wir dann aber – außer zu leerlaufender, eitler Exemplifikation – überhaupt ein Kunstwerk als Datenmaterial heranziehen?
  
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AG Objektive Hermeneutik e.V.
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